STATEMENT DES BUNDESVERBANDES MUSIKINDUSTRIE ZUM ECHO

Wenn im Zuge der aktuellen Diskussion Künstler entscheiden, ihren ECHO zurückzugeben, bedauern wir das zutiefst, müssen diese Entscheidung aber natürlich respektieren. Wir hoffen, dass die Künstler trotzdem die Debatte mit uns weiter führen, in der es um mehr als um diesen Musikpreis geht.

Der Bundesverband Musikindustrie lehnt als Verband und als Veranstalter des ECHO jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ab. Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums JBG3 von Kollegah & Farid Bang führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert (siehe Statement vom 15. April 2018).

Der ECHO war seit seiner Entstehung ein Publikumspreis, das war stets die DNA des ECHO. Er unterschied sich insofern deutlich vom ECHO JAZZ und ECHO KLASSIK, die im Gegensatz zum ECHO nicht auf Verkaufszahlen basieren sondern bei denen jeweils eine 11- bzw. 12-köpfige Jury aus den beim Bundesverband Musikindustrie eingegangenen Bewerbungen die Nominierten bzw. Preisträger ermittelt. Beim ECHO kamen bisher die in den Charts erfolgreichsten Produktionen automatisch auf die Shortlist und wurden dadurch in der jeweiligen Kategorie nominiert. Im nächsten Schritt konnten die Fachjury-Mitglieder aus den Nominierten ihren Favoriten wählen. Chartspositionen und Fachjurystimmen wurden gleichberechtigt addiert und so der Gewinner ermittelt. In Zweifelsfällen konnte der Vorstand des BVMI den unabhängigen ECHO-Beirat einschalten. Das bisherige Prozedere wurde für den ECHO 2018 unter dem Link echocalling-facts.echopop.de ausführlich erläutert.

Dieses Grundprinzip des ECHO sowie alle mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen werden wir nach den Erfahrungen aus diesem Jahr, die uns getroffen und erschüttert haben, in allen Details umfassend analysieren, entsprechende Konsequenzen daraus ziehen und ein neues, solides Fundament schaffen.

Der Bundesverband Musikindustrie wird neben der grundsätzlichen Überarbeitung des ECHO die vom ECHO-Beirat angeregte Diskussion um die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mit den verschiedenen Beteiligten innerhalb und außerhalb der Branche weiterführen. Gefragt sind Künstler, Labels, Handelspartner, Journalisten, Politiker, Eltern, Lehrer, Fans und jeder einzelne Bürger. Die mediale Befassung und die Vielfalt der Betroffenheit hat auf besondere Weise verdeutlicht, wie tief das Thema gesellschaftlich sitzt und wie wichtig die ehrliche Auseinandersetzung damit ist, die über Schlagzeilen hinausgeht.